Wenn alles wankt, wächst innere Stärke — Selbstvertrauen nach Krisen

Jahrelang stand Stefanie Pfennig als Sängerin auf der Bühne. Sie war Teil der Schlagerwelt, hatte Aufmerksamkeit, Applaus und äußere Bestätigung. Doch dann hörte sie auf. Nicht wegen Burnout oder Skandal, sondern weil sie erkannt hatte, dass Erfolg auf der Bühne ihr nicht mehr das gab, was sie brauchte. “Ich musste feststellen, dass ich von außen versucht hatte, mich zu vervollständigen”, sagt sie heute. “Und das hat nicht funktioniert.”

Die Arbeit, die Stefanie heute als Heilmeditationstrainerin macht, ist in dieser persönlichen Erkenntnis verwurzelt. Sie arbeitet mit Menschen, die ähnliche Brüche oder Krisen erlebt haben. Eine dieser Personen ist Connie. Die beiden begegneten sich vor drei Jahren beim Spaziergang mit dem Hund. Connie hatte vor dieser Begegnung einen schweren Unfall. „Das hat mich körperlich eingeschränkt”, sagt sie rückblickend. “Aber die größere Verletzung war: Ich kannte mich selbst nicht mehr. Ich war unruhig, voller Ängste, dunkel in meinen Gedanken.”

Wie ihr geht es vielen von Stefanies Klientinnen. Denn Krisen oder Schicksalsschläge – welcher Art auch immer – greifen nicht nur das körperliche Wohlbefinden an. Sie zerstören  auch das Bild, das Menschen über Jahre von sich aufgebaut haben. Wer bisher funktioniert hat, aktiv war, für andere da sein konnte, erlebt plötzlich einen freien Fall ins Unbekannte.

Es geht nicht um Leistung, sondern um die innere Fähigkeit, sich selbst zu vertrauen 

Menschen glauben in solchen Momenten, ihr Selbstvertrauen sei verschwunden. Aber das ist ein Missverständnis darüber, was Selbstvertrauen eigentlich ist. Selbstvertrauen werde häufig mit dem Auftreten verwechselt, erklärt Stefanie. Mit der Leistung, die man erbringt, dem Eindruck, den man macht. Doch das sei nur die äußere Hülle, die wegfalle wegen eines Unfalls, eines Jobverlusts, einer Trennung. 

Das echte Selbstvertrauen ist etwas anderes: “Es ist die Fähigkeit, sich selbst zu vertrauen”, so Stefanie. Zu wissen, wie man auf sich selbst reagiert. Was man braucht, wo die eigenen Grenzen liegen, welche Entscheidungen zu einem passen. Der erste Schritt nach einer Krise ist deshalb nicht, wieder stark zu wirken, sondern sich ehrlich anzuschauen, wo man gerade steht. Wenn man Stefanie und Connie, mittlerweile gut befreundet, beobachtet, merkt man schnell: Menschen kommen zu Stefanie, wenn sie wieder bei sich ankommen möchten.

Im Körper ankommen: Das angespannte Nervensystem beruhigen 

Stefanie fokussiert sich in ihrer Arbeit zunächst auf den Körper, der Probleme speichert. Das mag für Menschen, die eher rational orientiert sind, seltsam klingen. Aber es gibt einen neurowissenschaftlichen Grund dafür: Das Nervensystem hat ein Gedächtnis. Wenn es in Krisensituationen lange unter Alarmzustand ist, bleibt es dort – auch wenn die Krise längst vorbei ist. Das Atmen ist flach, die Muskulatur angespannt, die Gedanken kreisen.

“Bei meinen ersten Sitzungen haben wir nur Entspannungsmeditationen gemacht”, erzählt Connie. “Nichts Dramatisches, nichts Tiefgreifendes. Nur: ruhig werden. Und was ich bemerkt habe, war: Stefanies Ruhe hat sich auf mich übertragen.” 

Alte Überlebensmuster aus der Kindheit lähmen uns in der Gegenwart

Nach der Phase der physischen Beruhigung folgt etwas tieferes: die Arbeit mit den Mustern, die in Krisen oft wieder aktiviert werden. Viele Menschen haben gelernt, auf bestimmte Weise zu reagieren – in der Regel in ihrer Kindheit. Diese Muster waren irgendwann sinnvoll: Ein Kind, das lernt, die Stimmung des aggressiven Elternteils zu erspüren und sich unsichtbar zu machen, schafft sich damit Sicherheit. Ein anderes, das Verantwortung für die emotionale Stabilität eines depressiven Elternteils übernimmt, gewinnt Kontakt und Bedeutung. Aber mit den Jahren verhärten sie sich. Aus der Überlebensstrategie von damals wird ein automatisiertes Verhalten, das im Erwachsenenleben zu Lähmung führt. 

Connie etwa musste sich in ihrer Zusammenarbeit mit Stefanie damit auseinandersetzen, welche Familienthemen in ihr noch aktiv waren. War sie aufgewachsen mit der Botschaft, dass ihre Bedürfnisse nicht zählen? Hatte sie gelernt, Schuld für Konflikte zu übernehmen, für die sie nicht verantwortlich war? War sie die Mediatorin geworden zwischen streitenden Eltern, die Vermittlerin, die Friedenswahrerin? Oder war es diese unterschwellige Botschaft: „Wenn du nicht funktionierst, bist du eine Last“? “Stefanie beschäftigt sich nicht nur mit den Auswirkungen, die Probleme haben, sondern mit den Gründen dahinter”, erklärt Connie. Mit der Zeit gelang es ihr, Kontrolle zurückzugewinnen. “Loslassen bedeutet nicht, dass etwas nicht passiert wäre”, betont Stefanie. “Es bedeutet, aufzuhören, von dem, was passiert ist, gesteuert zu werden.”

Depression und Angst als Botschaften des inneren Ungleichgewichts 

Auch Depressionen versteht Stefanie als etwas, das im Körper-Seele-System stecken bleibt und durch intensive Selbsterkenntnis, Energiearbeit und den ehrlichen Blick auf die eigene Geschichte wieder flüssig werden kann. Immer natürlich in Kombination mit ärztlicher Betreuung. „Depression und Ängste sind für mich Signale“, so Stefanie. „Sie sagen: Hier ist etwas nicht in Ordnung mit deinem inneren Gleichgewicht. Hier stimmt etwas nicht mit dem, wie du mit dir selbst sprichst.” Sie nennt konkrete Beispiele: ob du dir selbst bewusst oder unbewusst ständig vermittelst, dass du nicht gut genug bist, dass deine Grenzen nicht zählen. Oder wie du lebst – ob dein Leben noch zu deinen wahren Werten passt oder ob du immer noch die Erwartungen anderer erfüllst, statt deinen eigenen Weg zu gehen. “Wenn man diese Signale ignoriert und nur die Symptome medikamentös unterdrückt, verpassen Menschen die Chance, wirklich zu verstehen, was los ist.“ 

Connie konnte mit der Zeit ihre Antidepressiva reduzieren. Das ist kein Versprechen, das Stefanie verallgemeinert. Aber es ist ein Zeichen dafür, was möglich ist, wenn jemand bereit ist, sich diesem Prozess zu stellen. Connie berichtet heute, in schwierigen Situationen anders zu reagieren. “Ich sehe Dinge klarer. Ich stelle mich bewusst Herausforderungen statt sie zu vermeiden, Und ich habe gelernt, was ich nicht ändern kann, zu akzeptieren.” Herausforderungen hätten stets eine Aufgabe: Sie sollen Veränderung initiieren oder Selbstakzeptanz fördern. 

Was sie an Stefanie besonders schätzt? Ihr Wissen kommt nicht nur aus Handbüchern oder Ausbildungen, obwohl sie formal ausgebildet ist – als Heilmeditationstrainerin und examinierte Tagespflegeperson. Ihr Wissen kommt aus Lebenserfahrung – und das merkt man im Gespräch sofort. Stefanie ist durch Liebe, Verrat, Trauer und Krisen gegangen. Sie kennt das Gefühl, das “schwarze Schaf” der Familie zu sein. “Sie arbeitet mit Herz und nimmt Menschen so, wie sie sind. Nicht wie ein Therapeut, der ein Konzept anwendet, sondern wie ein Mensch, der versteht, weil er ähnliche Wege gegangen ist. Unser Austausch basiert daher auf vollstem Vertrauen und Ehrlichkeit.”

Über Stefanie Pfennig:

Heilmeditationstrainierin Stefanie Pfennig begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf dem Weg zu mehr innerer Ruhe, emotionaler Stabilität und Selbstkenntnis. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der inneren-Kind-Arbeit sowie der Auflösung von Mustern und Blockaden, die in der Kindheit entstanden sind. Ihre Methoden verbinden Meditation, Energiearbeit, Atem- und Klangschalenarbeit sowie musikalische Förderung zu einem ganzheitlichen Ansatz. Mehr unter heilmeditation-pfennig.de.

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